Lehrabend mit Lutz Wagner
· Schiedsrichter
Lutz Wagner: „Der Freistoß beginnt mit dem Anpfiff des Spiels.“
Er nannte es einfach Heimspiel. Trotz vieler Termine rund um die Europameisterschaft in Frankreich kam Lutz Wagner, DFBSchiedsrichterlehrwart, zu einem Vortrag nach Dörpum. Seine erste Handlung war das Ablegen seiner Krawatte. „Es ist höflich einen Schlips umzuhaben, aber nun wollen wir arbeiten“, sagte er motivierend. Aus diesem Grund ist der Begriff Vortrag auch nicht ganz richtig gewählt. Es sollte eher eine Mischung aus spannenden Erklärungen und Dialogen werden. Lutz Wagner: „Ich freue mich mal wieder unter Fachleuten zu sein.“ Seine letzten Veranstaltungen hatten mit Trainern und Journalisten zu tun, sodass der Titel des Abends - Heimspiel - passend zu seiner Leidenschaft und dem Publikum – Schiedsrichter – rührte.
Möglich gemacht haben es der Vorsitzende des nordfriesischen Schiedsrichterausschusses, Björn Hinrichs, und seine Kollegen Fynn Kohn und Torben Nesch. „Neue Impressionen, um mal über den Tellerrand hinaus zu schauen“, nannte Hinrichs das Ziel für die Anwesenden. Neben zahlreichen Schiedsrichtern aus Nordfriesland waren auch Gäste aus Schleswig-Flensburg, Dithmarschen und Rendsburg-Eckernförde anwesend. „Toll, dass wir die Möglichkeit bekommen haben dabei zu sein”, freute sich der Rendsburger Jan-Christian Meyer über die Einladung von der Westküste, die an alle Kreise gerichtet wurde.
Insbesondere den jungen Schiedsrichtern gab der DFB-Lehrwart Denkanstöße für ihre Einsätze mit auf den Weg. „Schaut stets, dass die Mannschaft, die die Regeln beachtet, den größtmöglichen Vorteil erhält und die andere entsprechend bestraft wird. Mit der Zeit bekommt ihr Routine darin und könnt dann den Blick für die Kleinigkeiten schärfen.“ Einen Tipp für die Kommunikation mit Spielern leitete er mit einer Frage ein: „Wann beginnt für euch ein Freistoß?“ Beim Anlaufen, dem Mauerstellen oder mit dem Pfiff waren die meisten Antworten darauf. Letzterem stimmte Lutz Wagner fast zu. „Bei mir beginnt der Freistoß mit dem Anpfiff des Spiels. Ich schaue mir an, welcher Spieler die Rückennummer zehn trägt, die erste Ecke tritt oder gleich das Eins-gegen-Eins sucht. Meistens sind es die Techniker, die für die Standards vorgesehen sind. Diese Spieler spreche ich am Anfang direkt an und sage ihnen, dass sie mir mitteilen sollen, wenn sie die Mauer gestellt haben möchten. Kommentare wie: „Ey Schiri, was ist mit der Mauer?“, sind bei mir dann nie wieder gefallen“, erklärte Wagner. „Wenn ihr so einige Akteure auf eurer Seite habt, werdet ihr sehen, dass die Atmosphäre auf dem Spielfeld viel angenehmer ist und sie helfen können, wenn die Gemüter doch einmal drohen hochzukochen.“
Schwierige Sachverhalte simpel darstellen, damit wirklich alle sie verstehen können. Was Politiker gerne umgekehrt praktizieren, beherrscht Lutz Wagner perfekt. Zum Beispiel hat er einige der neuen Regelauslegungen vorgestellt und anhand von Videos anschaulich erklärt. Seine Didaktik und Sprache sind dabei die Instrumente und lassen einen solchen Abend kurzweilig erscheinen. Björn Hinrichs sprach zum Schluss im Rahmen aller Teilnehmer einen großen Dank an den sympathischen Referenten aus, der sich mit den dagebliebenen noch die erste Halbzeit der Partie Belgien – Italien anschaute.
Bericht: Dajinder Daniel Pabla Fotos: Heike Klein




